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Monitoringbericht Kultur- und Kreativwirtschaft: Bruttowertschöpfung steigt 2018 auf 100,5 Milliarden Euro an

14.11.2019

Einmal jährlich untersuchen das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) im Auftrag des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie Stand und Perspektiven der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland. Grundlage bietet die Definition der Wirtschaftsministerkonferenz: Sie versteht unter Kultur- und Kreativwirtschaft Unternehmen, die kreative und kulturelle Güter und Dienstleistungen schaffen, produzieren, verteilen und/oder verbreiten. Der Monitoringbericht 2019 gibt einen Überblick über die aktuellen Entwicklungen in der Branche. Dabei werden sowohl die wirtschaftliche Entwicklung verschiedener Teilmärkte als auch Unternehmensgründungen und die Innovationsleistung der Kultur- und Kreativwirtschaft erfasst. Die veröffentlichte Kurzfassung präsentiert die wesentlichen Ergebnisse für das Projektjahr 2019.

Unternehmensbestand in der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft

Im Jahr 2018 ist der Unternehmensbestand in der Kultur- und Kreativwirtschaft in Deutschland mit schätzungsweise 256.600 Unternehmen auf dem Niveau des Vorjahres verharrt. Im Jahr 2018 kamen rund 7,8 Prozent aller Unternehmen in Deutschland aus der Kultur- und Kreativwirtschaft. Seit dem Jahr 2009 ist der Wirtschaftszweig bezüglich dieses Indikators in ähnlicher Größenordnung wie die Gesamtwirtschaft gewachsen.

Gesamtumsatz mit über 168 Milliarden Euro

Nach einem deutlichen Umsatzanstieg im Jahr 2017 auf rund 165,2 Milliarden Euro liegt der Umsatz für das Jahr 2018 bei schätzungsweise 168,3 Milliarden Euro und damit rund 1,9 Prozent über dem Vorjahreswert. Die Umsatzentwicklung in der deutschen Kultur- und Kreativwirtschaft ist damit seit dem Jahr 2014 positiv, mit teils beachtlichen Zuwachsraten. Im Jahr 2018 kamen rund 2,6 Prozent des Gesamtumsatzes deutscher Unternehmen aus der Kultur- und Kreativwirtschaft. Auch dieser Wert ist, wie schon der Anteil an Unternehmen an der Gesamtwirtschaft, relativ konstant im Zeitverlauf.

Bruttowertschöpfung erreicht 2018 einen Rekordwert von 100,5 Milliarden Euro

Die Bruttowertschöpfung spiegelt den im Produktions- oder Leistungserstellungsprozess geschaffenen Mehrwert wider und ergibt sich aus dem Gesamtwert der erzeugten Waren und Dienstleistungen, abzüglich des Wertes der eingesetzten Vorleistungen. Mit einer Zunahme von schätzungsweise knapp 2,8 Milliarden Euro oder umgerechnet 2,9 Prozent im Vergleich zum Vorjahr erreicht die Bruttowertschöpfung in der Kultur- und Kreativwirtschaft erstmals einen Wert von über 100 Milliarden Euro. Seit der Neudefinition der Kultur- und Kreativwirtschaft aufgrund der Anpassung der Wirtschaftszweigsystematik ist es bereits das neunte Jahr in Folge mit einer positiven Wertschöpfungsentwicklung in der Kultur- und Kreativwirtschaft. Ausgehend von 71,8 Milliarden Euro im Jahr 2009 ist die Wertschöpfung in der Kultur- und Kreativwirtschaft seitdem um fast 28,6 Milliarden Euro angestiegen. Die Bruttowertschöpfung in der Kultur- und Kreativwirtschaft liegt mit ihren 100,5 Milliarden Euro in etwa gleichauf mit der des Maschinenbaus. Andere wichtige Branchen in Deutschland, wie die Chemische Industrie, die Energieversorger oder aber die Finanzdienstleister, werden von der Kultur- und Kreativwirtschaft hinsichtlich der Wertschöpfung deutlich übertroffen. Nur die Branche Fahrzeugbau (Automobilindustrie und sonstiger Fahrzeugbau) liegt mit deutlichem Abstand vorne.

Monitoringbericht Wertschöpfung

 

Zahl der Kernerwerbstätigen steigt auf knapp unter 1,2 Millionen an

Nach fast 40.000 Kernerwerbstätigen mehr im Jahr 2017 wuchs diese Beschäftigtenzahl im Jahr 2018 erneut deutlich um insgesamt über 35.000 Kernerwerbstätige an. Erneut ist dieser Anstieg weitestgehend der Zunahme der sozialversicherungspflichtigen Beschäftigungsverhältnisse geschuldet.

Branche erzeugt gesellschaftlichen Mehrwert

Das diesjährige Schwerpunktthema widmet sich der Kultur- und Kreativwirtschaft im ländlichen Raum. Die Unternehmen der Kultur- und Kreativwirtschaft im ländlichen Raum erzeugen mit ihren individuellen Leistungen Mehrwert in verschiedenen Bereichen. Etwa 14 Prozent der Kultur- und Kreativschaffenden bewerten den gesellschaftlichen Mehrwert, den ihr Unternehmen an ihrem Standort beiträgt, als sehr hoch. Der eigenen Einschätzung nach tragen zudem 24,5 Prozent der Unternehmen einen hohen gesellschaftlichen Mehrwert bei. Auch der soziale Mehrwert wird als bedeutsam eingeschätzt, etwa 35 Prozent der Unternehmen bewerten ihren Beitrag dabei als hoch oder sehr hoch. Immerhin knapp 27 Prozent der Unternehmen erzeugen nach eigener Einschätzung einen (sehr) hohen ökonomischen Mehrwert und mehr als jedes fünfte Unternehmen einen (sehr) hohen ökologischen Mehrwert.

Monitoringbericht Ländlicher Raum

Geringe Sichtbarkeit für Regionalpolitik

Das diesjährige Schwerpunktthema widmet sich der Kultur- und Kreativwirtschaft im ländlichen Raum. Während die Kultur- und Kreativschaffenden im ländlichen Raum bedeutenden Mehrwert schaffen, bleibt den Einschätzungen der Befragten zufolge das damit verbundene Potenzial in weiten Teilen dennoch verkannt. So stimmen lediglich 8,4 Prozent der Unternehmen der Aussage zu, dass die Kultur- und Kreativwirtschaft an ihrem Standort von der Regionalpolitik als Wirtschaftsfaktor wahrgenommen wird.

Monitoringbericht Sichtbarkeit ländlicher Raum

Hoher Bedarf am Ausbau der digitalen Infrastruktur

Den höchsten Bedarf an Infrastrukturausbau sehen die Kultur- und Kreativschaffenden im ländlichen Raum bei der Versorgung mit Internet und Breitband. Insgesamt 58 Prozent der Unternehmen schätzen den Bedarf am Breitbandausbau als hoch ein. Mit knapp 46 Prozent ist allerdings auch der Bedarf für den weiteren Ausbau des Mobilfunknetzes für die Kultur- und Kreativschaffenden im ländlichen Raum nicht von der Hand zu weisen. Darüber hinaus hofft mehr als jedes zweite Unternehmen auf einen Ausbau des lokalen Angebots an öffentlichem Verkehr. Der Wunsch nach kulturellen Einrichtungen, Fördereinrichtungen und Bildungseinrichtungen ist derweil mit deutlich über 20 Prozent der Unternehmen auch nicht zu verkennen, aber deutlich seltener verbreitet.

Monitoringbericht Infrastruktur ländlicher Raum

 

Handlungsempfehlungen, die Studienautoren ableiten

Als Ansatzpunkte für wirtschaftspolitische Maßnahmen zur Förderung der Kultur- und Kreativwirtschaft, insbesondere im ländlichen Raum, lassen sich identifizieren:

  • Verfügbare öffentliche Förderprogramme für die Kultur- und Kreativschaffenden im ländlichen Raum sollten verstärkt sichtbar gemacht werden.
  • Ein wichtiges Ziel zukünftiger (Förder-)Programme sollte die verbesserte Sichtbarkeit der Kultur- und Kreativschaffenden bei Politik sowie potenziellen Kunden und Kooperationspartnern darstellen.
  • Für die Kultur- und Kreativunternehmen, insbesondere im ländlichen Raum, ist die aktuelle Breitbandversorgung nicht zufriedenstellend. Ziel sollte eine flächendeckende Versorgung mit schnellem Internet sein.

Der Monitoringbericht 2019 zum Download

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Ansprechpartner

Frank Giersberg

Geschäftsführer

Johannes Leibiger

Leiter Medienwirtschaft & Forschung

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