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Studie: Welche Inhalte empfiehlt YouTube in Krisenzeiten?

27.02.2021

Wie funktionieren Empfehlungen bei YouTube in Krisenzeiten? Werden bei Themen wie „Covid-19-Pandemie“, „Klimawandel“ oder „Flüchtlinge“ desinformierende Videos empfohlen oder ermöglichen die Empfehlungen vertiefend informierte Meinungsbildung? Diese Fragen untersucht eine aktuelle Studie, die von drei Landesmedienanstalten und der Senatskanzlei Berlin in Auftrag gegeben wurde. Anhand von systematischen Videoaufrufen wurde im Rahmen der Studie erforscht, inwieweit die nicht personalisierten Empfehlungen von YouTube dazu beitragen, dass Nutzer*innen auf Quellen und Informationen hingewiesen werden, die journalistische Sorgfaltspflichten einhalten und von wissenschaftlichem Konsens unterstützt werden.

Algorithmus empfiehlt kaum themenvertiefende Inhalte
Die Studie zeigt, dass der Algorithmus selten Nischenangebote oder themenvertiefende Inhalte empfiehlt. Etablierte Medienanbieter werden überdurchschnittlich oft sichtbar gemacht. Mit Blick auf die Sicherung und Förderung von Meinungsvielfalt auf Medienplattformen ist dies sicherlich kein befriedigendes Ergebnis. Für Dr. Anja Zimmer, mabb Direktorin, liegt die Herausforderung darin, den Nutzer*innen die Vielfalt der Informationsangebote und Perspektiven besser zu präsentieren und dabei noch weniger Desinformation zu empfehlen.

Demonetarisierung desinformativer Videos als Lösung
Die Analysen weisen darauf hin, dass die Erkennungsmechanismen für Desinformation auf YouTube insgesamt gut funktionieren, auch wenn diese verbessert werden können. Denn desinformative Videos bleiben in einigen Fällen unentdeckt und können durch nachfolgende Empfehlungen an den Nutzenden gebracht werden. Erschwerend kommt hinzu, dass verschiedene Kanäle ständig neue Inhalte mit vielfältiger Zielgruppenansprache produzieren und gelöschte Desinformation wieder hochladen. Hier könnte eine Demonetarisierung desinformativer Videos es für Produzierende unattraktiver machen, solche Inhalte einzustellen. Denn häufig werden Werbeanzeigen vor problematische Inhalte platziert, die den Werten der Werbetreibenden widersprechen.

Die zentralen Ergebnisse der Studie in der Übersicht:

Themenvertiefende Inhalte wird selten empfohlen
Nur insgesamt elf Prozent der erfassten Empfehlungen enthielten Videos zu den als Startpunkt gewählten Themen „Covid-19“, „Klimawandel“ und „Flüchtlinge“.

YouTube-Algorithmus setzt auf eine begrenzte Palette populärer Kanäle
69 Prozent aller erfassten Empfehlungen bewerben Videos von nur 61 Kanälen. Diese umfassen viele öffentlich-rechtliche und etablierte private Medienanbieter. Auf Nischenprogramme und Inhalte weniger bekannter Anbieter wird sehr selten hingewiesen.

YouTubes-Empfehlungsalgorithmus präsentiert kaum desinformierende Inhalte
Bei den kontrovers diskutierten Themen „Covid-19“, „Klimawandel“ und „Flüchtlinge“ als Startpunkt der Untersuchung wurden nur sechs Prozent der Videos, die der Algorithmus anschließend empfohlen hat, als potenziell desinformierend eingestuft.

 

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Ansprechpartner

Tim Steinhauer

Senior Referent Medienverantwortung und Programm