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Neues Verfahren: Bundeskartellamt untersucht die Tracking-Regelungen von Apple

17.06.2022

Einen wichtigen Schritt hin zu faireren Wettbewerbsverhältnissen geht das Bundeskartellamt mit der Einleitung eines Verfahrens gegen Apple als mögliches Unternehmen mit einer überragenden marktübergreifenden Bedeutung für den Wettbewerb, das mit der Einführung des sog. App Tracking Transparency Framework im Verdacht steht, eigene Angebote zu bevorzugen und Wettbewerber zu behindern. Unter der Federführung des Zentralverbands der deutschen Werbewirtschaft (ZAW) hatten Spitzenverbände der Medien-, Internet- und Werbewirtschaft im April 2021 Beschwerde beim Kartellamt gegen Apple eingereicht. In Polen wurde unter gleichem Verdacht bereits im Dezember 2021 ein Verfahren gegen Apple eröffnet (VAUNET berichtete).

Das App Tracking Transparency Framework wurde von Apple im April 2021 mit den Updates iOS 14.5, iPadOS 14.5 und tvOS 14.5 für Dritt-Apps eingeführt. Darin wird das Tracking von Nutzer:innen durch Dritt-Apps, in dem von Apple definierten Sinn, an bestimmte Voraussetzungen geknüpft. So wird – nach den bisherigen Feststellungen des Bundeskartellamtes – das Tracking davon abhängig gemacht, dass Nutzer:innen beim Erststart einer App, die nicht von Apple stammt, in einem Pop-up-Dialog zusätzlich zu den bisher schon erforderlichen Zustimmungen eine weitere Einwilligung zur Verwendung und Kombination von Nutzerdaten gibt. Auch die Verwendung eines für die Werbewirtschaft wichtigen, von Apple bereitgestellten, Identifizierungsmerkmals für Geräte, dem Identifier for Advertisers, fällt als Tracking unter diese neue Maßnahme.

Dagegen betreffen diese Regelungen Apple bei der Verwendung und Kombination von Nutzerdaten im eigenen Ökosystem offenbar nicht. Dies hat zur Folge, dass das Werbenetzwerk von Apple seinen Werbenden tiefgreifendere und aktuellere Informationen liefert. Wie die Financial Times berichtet, haben daraufhin viele Werbetreibende ihre Etats auf das Apple-Angebot verschoben. In nur sechs Monaten habe sich der Marktanteil von Apple bei Werbeanzeigen, die zu einer App-Installation auf iOS weiterleiten, von 17 auf 58 Prozent verdreifacht. Apple habe die übrige Werbeindustrie im iOS-Universum damit „blind“ gemacht.

Das neue Verfahren des Bundeskartellamts schließt sich an das am 21. Juni 2021 gegen Apple eingeleitete Verfahren zur Feststellung einer überragenden marktübergreifenden Bedeutung für den Wettbewerb im Sinne des § 19a Abs. 1 GWB an, das noch nicht abgeschlossen ist.

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Ansprechpartner

Dr. Christina Oelke

Stv. Justiziarin