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AGF: VoD-Nutzung steigt im Corona-Jahr deutlich - vor allem auf dem Fernseher

16.10.2020

Netflix auf dem Smartphone oder dem Laptop? Das funktioniert, doch wer kann, der schaut Online-Videoinhalte mittlerweile lieber auf dem Big Screen. Mit 52 Prozent haben erstmals mehr Menschen Video-on-Demand-Angebote auf dem Fernseher genutzt als auf PC/Laptops (37 Prozent), Smartphones (24 Prozent) und Tablets (19 Prozent). Zu diesem Ergebnis kommt der CONVERGENCE MONITOR 2020, den das Marktforschungsinstitut Kantar erstmals im Auftrag der AGF Videoforschung erhoben hat. 

Netflix hat seine Position im Video-on-Demand-Markt im Vergleich zum Vorjahr weiter ausgebaut. Unter den 18 Millionen monatlichen Nutzern kostenpflichtiger Streamingdienste ist die Plattform mit 82 Prozent der relevanteste Anbieter (2019: 75 Prozent). Auf Platz 2 folgt Amazon Prime Video mit 59 Prozent (2019: 62 Prozent), an dritter Stelle Disney+. Das Streaming-Angebot startete in Deutschland erst am 24. März und kommt bereits auf 11 Prozent. „Das ist ein Indiz dafür, wie viel Bewegung derzeit im Videomarkt ist. Wir dürfen daher auf die Entwicklungen der Zukunft gespannt sein, die von einer Vielzahl von Anbietern und Angeboten geprägt sein wird“, sagt Kerstin Niederauer-Kopf, Vorsitzende der Geschäftsführung der AGF Videoforschung.

Immer mehr Internetnutzung entfällt auf Videos

Generell steigt der Anteil von Videoinhalten an der gesamten Internetnutzungsdauer an – mit hohen Steigerungsraten in allen Altersgruppen. So schauen von den 14- bis 29-Jährigen 41 Prozent Videos (2019: 34 Prozent), bei den 50- bis 64-Jährigen sind es 29 Prozent. Auch der Anstieg bei der Nutzung von Videoclips über kostenlose Plattformen wie YouTube und soziale Netzwerke geht zu einem guten Teil auf das Konto der über 30-Jährigen.

Neben Videoclips werden auch die Mediatheken der klassischen TV-Anbieter beliebter. Die mindestens monatliche Nutzung ist von 24 auf 29 Prozent gestiegen und erreicht damit einen neuen Höchststand. In Bezug auf die Fragestellung, welche Mediatheken überhaupt schon einmal genutzt wurden, schneiden die Angebote der öffentlich-rechtlichen Sender bei den Befragten, die für ein Potenzial von rund 58,471 Millionen Menschen stehen, am besten ab. Die ARD Das Erste Mediathek und die ZDF Mediathek stehen mit 36 beziehungsweise 34 Prozent mit Abstand vorne. Die erfolgreichsten Mediatheken der privaten Sender sind TVNow und Joyn mit jeweils 10 Prozent.

Smartphones und Tablets gewinnen weiter an Relevanz

Auch die Verbreitung von Smartphones und Tablets steigt weiter: Mittlerweile haben 92 Prozent der Befragten ein Smartphone (2019: 88 Prozent) und 38 Prozent ein Tablet (2019: 35 Prozent). Ältere Handys spielen mit 9 Prozent kaum noch eine Rolle (2019: 11 Prozent). „Tragbare, leichte und multifunktionale Geräte, die sowohl als Telefon, Fernseher und PC dienen können, erfreuen sich zunehmender Beliebtheit – nicht zuletzt, weil sie einfach im Handling sind und das Bedürfnis Always-on zu sein am besten erfüllen“, sagt Kerstin Niederauer-Kopf.

Vor allem ältere Zielgruppen treiben die Nutzung von Smartphones: Bei den 50- bis 64-Jährigen ist der Anteil der Nutzenden von 80 auf 87 Prozent gestiegen, bei den 65- bis 69-Jährigen auf 73 Prozent. „Auch Zielgruppen, die bislang kaum die Notwendigkeit gesehen haben, ein Smartphone zu besitzen, scheinen nun Gefallen an den Geräten zu finden. Da es von 2018 zu 2019 kaum Bewegungen gab, dürfte die Nutzung vor allem durch die Corona-Pandemie einen weiteren Schub erfahren haben“, so Niederauer-Kopf.

Für den CONVERGENCE MONITOR 2020 wurden insgesamt 1.542 Personen im Alter von 14 bis 69 Jahren in Deutschland in Form von computergestützten Telefon-Interviews (CATI) befragt. Die von Kantar durchgeführte repräsentative Studie wird seit 2008 erhoben und in diesem Jahr erstmals von der AGF Videoforschung beauftragt und erstellt. Der Erhebungszeitraum fand von Ende April bis Anfang Juni 2020 statt.

Ansprechpartner

Johannes Leibiger

Leiter Medienwirtschaft & Forschung