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ARD und ZDF treiben Vernetzung ihrer VoD-Portale voran

22.06.2021

ARD und ZDF führen ihre Mediatheken zu einem gemeinsamen Streaming-Netzwerk zusammen. Mit der Vernetzung wollen die Rundfunkanstalten auf den Wettbewerb mit global agierenden Unternehmen im Streaming-Bereich reagieren.

Video-Inhalte des ZDF werden dann künftig in der ARD-Mediathek zu sehen sein und umgekehrt. Mit dem 21. Juni 2021 wollen die Rundfunkanstalten beginnen, Empfehlungssysteme und Auswahlkriterien zu entwickeln. Die Arbeiten an diesen Systemen sollen spätestens in zwei Jahren abgeschlossen sein. Ziel ist dabei auch eine stärkere Personalisierung und ein Anwachsen der Nutzerkonten zu erreichen. Derzeit verfügt zum Beispiel das ZDF bei seiner Mediathek über 2,3 Millionen Nutzerkonten. Eine Reihe von technischen Details sollen im Backend vereinheitlicht werden, z. B. eine Playerstruktur, oder im Bereich Datenbanken.

Ein Schwerpunkt bei der weiteren Ausgestaltung wird die Zusammenführung der Inhalte in Themenclustern sein. So sollen zum Beispiel in der jeweiligen Politik-Rubrik der ARD- bzw. der ZDF-Mediathek politische Inhalte, u.a. von ARD und ZDF zusammengeführt werden. Die redaktionelle Verantwortung verbleibt bei dem jeweiligen ausspielenden Portal und nicht bei der Mediathek, die den Inhalt einbindet. Zusammen verfügen ARD und ZDF nach eigenen Angaben über einen Inhalte-Katalog von mehr als 250.000 Filmen, Dokumentationen, Satire- und Serienstoffen.

Die Vernetzung wird laut Aussagen des ZDF-Intendanten Thomas Bellut und des ARD-Vorsitzende Tom Buhrow keine Kostenersparnisse erbringen, aber auch beim Beitragszahler keine Mehrkosten erzeugen. Die Investitionen werden aus dem allgemeinen Entwicklungsetats und dem Bestand finanziert. Derzeit geben ARD und ZDF jeweils einen mittleren einstelligen Millionen-Euro-Betrag für ihre Mediatheken aus.

Aus Sicht der Rundfunkanstalten ist denkbar, dass in Zukunft weitere Partner, insbesondere öffentlich-rechtliche aus dem europäischen Ausland, dazustoßen und ihre Inhalte einbinden. Die European Broadcasting Union (EBU) arbeitet zurzeit an einem Pilotprojekt für Empfehlungsboxen. Grundsätzlich sei man auch für private Partner offen. Da aber die öffentlich-rechtlichen Portale nichtkommerzielle Portale bleiben sollen, glaubt man, dass ein Mitwirken für kommerzielle Anbieter voraussichtlich unattraktiv sein wird. Dass die Vernetzung bereits eine Vorstufe zur Fusion von ARD und ZDF sein könnte, wiesen Bellut und Buhrow zurück. Kooperationen mit SR, ORF und den französischen Partnern von arte sind momentan am wahrscheinlichsten.

Über die ARD-Audiothek und ein mögliches Zusammenwirken mit dem Deutschlandradio oder die künftige Rolle der einzelnen Sub-VoD-Portale der Landesrundfunkanstalten wurden keine Aussagen getroffen.

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Ansprechpartner

Tim Steinhauer

Senior Referent Medienverantwortung und Programm