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Wohnungswirtschaft möchte Ersatz für Abschaltung des analogen Kabels

05.05.2015

Die Abschaltung der analogen Kabelnetze wird kommen. Wann und auf welchem Wege, ist aber weiterhin umstritten. Auf dem Panel „Digitalisierung im Kabel – Kapazitäten, Fristen, Zugänge“ des Medientreffpunkts Mitteldeutschland in Leipzig herrschte Einigkeit, dass angesichts des weiter voranschreitenden Rückgangs analoger Kabelhaushalte das Ende dieser Verbreitungsart in nicht allzu weiter Ferne zu erwarten ist. Die Panelisten brachten verschiedene Zieldaten ins Spiel, die sie aber mehr oder weniger zur Diskussion stellten. Martin Deitenbeck (Sächsische Landesmedienanstalt) verwies auf das im sächsischen Landesrecht verankerte Datum 2018. Rainer Nowak (Verband Thüringer Wohnungs- und Immobilienwirtschaft) wies auf die teilweise langfristig laufenden Verträge zwischen den Netzbetreibern und der Wohnungswirtschaft hin, weshalb er einen Ausstieg aus der Analogverbreitung erst nach 2018 für umsetzbar halte. Auch sei ähnlich wie bei der Kommunikationskampagne „klar digital 2012“ zur Abschaltung der analogen Satellitenübertragung eine lange Vorbereitungszeit für eine Abschaltkommunikation notwendig. Michael Kayser (BBC World News) erwähnte, dass manch kleiner Digitalsender gegen eine vollständige Digitalisierung vor 2018 sicherlich nichts einzuwenden habe.

Auch über den Prozess, wie das Ende des Analognetzes herbeigeführt werden sollte, bestand Uneinigkeit. Martin Dölken (Kabel Deutschland) und Hannes Lindhuber (Tele Columbus) bilanzierten, dass die Zuwachsrate bei digitalisierten Fernsehhaushalten in den vergangenen Jahren konstant bei rund sieben Prozent pro Jahr geblieben ist und dieser Anstieg rein marktgetrieben war. Die Kabelnetzbetreiber müssen in einem derartigen Umstiegsprozess die Interessen ihrer drei Kundengruppen – Verbraucher, Wohnungswirtschaft und Sender – beachten, so Lindhuber. Auf die Notwendigkeit von Planungssicherheit verwies Sebastian Artymaik (VPRT), die eine durch die Landesmedienanstalten vollzogene Prozessmoderation für alle Beteiligten erbringen könnte. Die derzeitigen kurzfristigen Abschmelzungen in einigen Bundesländern bedeuten vor allem für kleinere Sender einen Tod auf Raten, insbesondere dann, wenn sie z. B. noch über keine HD-Strategie verfügen. Er schlug vor, falls man in einen stufenweisen Abschaltprozess eintreten sollte, zuvor regionale, flächendeckende Testversuche durchzuführen. Die Wohnungswirtschaft äußerte den Wunsch, auch nach dem Analogende von den Netzbetreibern und den Sendern ein preiswertes Programmpaket angeboten zu bekommen. Mit Verweis auf die Mieter – für die Analog-TV ein kostengünstiges Angebot sei – und die Zusagen von RTL und ProSiebenSat.1, SD-Übertragungen zehn Jahre nicht verschlüsseln zu wollen, präferiert die Wohnungswirtschaft ein zeitlich unbegrenzte uncodierte SD-Verbreitung über 2018 hinaus. Martin Deitenbeck stellte aber klar, dass die Rundfunkanstalten schon deutlich signalisiert haben, über 2022 kein HD/SD-Simulcast mehr durchführen zu wollen und dass die neue 4K-TV-Endgerätegeneration bis dahin immer stärkeren Zuwachs erfahren wird. Sollte es aber durch ein Überangebot an HD-Angeboten im Kabel wieder zu Kapazitätsengpässen kommen, könne erneut über Must-Carry-Regeln nachgedacht werden. Sebastian Artymiak warnte jedoch davor, das SD-Signal in die Rolle des „neuen Analogen“ zu drängen. Vielmehr müsste sich das Augenmerk auch auf einen bislang in der Debatte vernachlässigten Aspekt richten. Denn nach wie vor diene das analoge Kabelnetz auch der UKW-Verbreitung von Radioprogrammen und dieser für die Radiounternehmen wichtige Übertragungsweg dürfe nicht zugunsten zusätzlicher Breitbandkapazitäten abgebaut werden. Martin Dölken pflichtete Sebastian Artymiak bei, Radio nicht auf dem Altar des Breitbandes zu opfern.

Ansprechpartner

René Böhnke

Senior Referent Medientechnologie & IT