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KJM: Analyse zeigt jugendgefährdende Verbreitung von Inhalten im Netz auf

25.01.2021

Seit Beginn der Corona-Pandemie kursieren im Netz massenhaft Verschwörungstheorien und Fake News rund um das Virus und die staatlichen Gegenmaßnahmen. Vertreter von ‚Alternativen Medien‘ oder Influencer mit großer Reichweite verharmlosen die Gefahr, die vom Virus ausgeht. Sie warnen vor einer vermeintlichen Lügenpresse und vermuten finstere Machenschaften von im Hintergrund agierenden Eliten. „Diese Formen der Desinformation können Kinder und Jugendliche nachhaltig ängstigen, verunsichern oder desorientieren und müssen geahndet werden. Die Kommission für Jugendmedienschutz hat deshalb die Landesmedienanstalten um eine breit angelegte Untersuchung gebeten,“ erläutert Dr. Marc Jan Eumann, Vorsitzender der Kommission für Jugendmedienschutz (KJM).

In einer Analyse zu „Alternativen Medien und Influencern als Multiplikatoren von Hass, Desinformation und Verschwörungstheorien“ untersuchten die 14 Landesmedienanstalten mehr als 700 relevante Webseiten, YouTube-Kanäle und Social-Media-Angebote. In rund 35 Prozent der Fälle stellten sie dabei einen Anfangsverdacht auf strafbare, jugendgefährdende oder entwicklungsbeeinträchtigende Inhalte fest. Der Anteil der Angebote, bei denen ein Anfangsverdacht festgestellt wurde, variierte auf den verschiedenen Plattformen deutlich.

Bei VK-Angeboten fand sich in rund 56 Prozent, bei Telegram-Angeboten in 52 Prozent der geprüften Fälle ein Anfangsverdacht. Bei YouTube-Kanälen und Web-Seiten gab es einen Anfangsverdacht nur in 37 Prozent, bei Twitter und Facebook in 28 Prozent der geprüften Fälle. Dies lässt sich als Beleg für die Abwanderung bzw. Verlagerung von problematischen Inhalten auf wenig reglementierte Plattformen werten. Bei Twitter waren immerhin knapp 8 Prozent der Angebote zum Zeitpunkt der Sichtung nicht mehr abrufbar.

Auffällig ist außerdem eine Häufung der Verdachtsfälle bei rechtsextremen und rechtspopulistischen Angeboten sowie bei Angeboten aus dem rechtsesoterischen Spektrum. „Der unsachliche, dramatisierende und bisweilen aufrührerische Stil in vielen der untersuchten Angebote ist gerade hinsichtlich der Wirkung auf Kinder und Jugendliche besorgniserregend. Das gilt ganz besonders für Beiträge, die offensiv die freiheitlich-demokratische Grundordnung ablehnen“, erläutert Dr. Marc Jan Eumann.

Die Landesmedienanstalten prüfen nun die in der Schwerpunktanalyse identifizierten Verdachtsfälle und leiten die jeweils erforderlichen weiteren Schritte ein. „Bei Verstößen gegen den Jugendmedienschutz-Staatsvertrag wird die Kommission für Jugendmedienschutz die daraus folgenden Maßnahmen beschließen,“ so Eumann weiter.

Die Ergebnisse der Studie können hier eingesehen werden.

Ansprechpartner

Tim Steinhauer

Senior Referent Medienverantwortung und Programm