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„Sichtbarkeit und Vielfalt“: Studie zu audiovisueller Diversität zeigt Fortschritte

12.10.2021

Die Studie „Sichtbarkeit und Vielfalt: Fortschrittsstudie zur audiovisuellen Diversität“ der Universität Rostock untersucht die Vielfalt im TV unter den Aspekten Geschlechtergerechtigkeit, Menschen mit Behinderungen, ethnische Herkünfte sowie LGBTQ.

Bereits 2017 untersuchte eine Studie von ARD, ZDF, RTL und ProSiebenSat.1 sowie Film- und Medienstiftung NRW, der nationalen Filmförderung FFA und dem FilmFernsehFonds Bayern auf Initiative der MaLisa-Stiftung die Vielfalt im Fernsehen vor der Kamera. Damals fokussierte sich der Begriff Vielfalt auf den Aspekt der Geschlechtergerechtigkeit und untersuchte die Darstellung von Frauen im Fernsehen.

Die Ergebnisse zeigen: Im Bereich Geschlechtergerechtigkeit kann die Branche Fortschritte verzeichnen

Die aktuelle Vielfaltsstudie ist eine Nachfolgestudie, die den Vielfaltsbegriff weiter fasst und erstmals auch andere Vielfaltsmerkmale gemessen hat. Die Ergebnisse zeigen im Vergleich zu 2017: Insbesondere im Bereich Geschlechtergerechtigkeit kann die Branche Fortschritte verzeichnen.

Für die Studie wurden repräsentative Stichproben von fast 3.000 TV-Einzelprogrammen auf 17 Sendern – darunter RTL, SAT.1, ProSieben, VOX, Kabel Eins, RTL ZWEI, Das Erste, ZDF und alle Dritten TV-Programme der ARD – mit mehr als 25.000 Protagonist:innen erhoben. Darüber hinaus wurden die Inhalte aller deutscher Filme und Filme mit deutscher Beteiligung von 2016 bis 2020 sowie mehr als 3.000 internationale Programme des Kinderfernsehens untersucht. Gezählt wurden Personen, die sichtbar im Zentrum einer Handlung standen bzw. in der Information solche Personen, deren Namen genannt wurden und die auch gesprochen haben bzw. zu sehen waren.

Die Ergebnisse im Überblick

Geschlechtergerechtigkeit: Der Erhebung zufolge kamen auf eine Frau im Fernsehen 2020 zwei Männer. Der Trend geht aber hin zu mehr Gleichheit: In der Fiktion war das Geschlechterverhältnis beinahe ausgewogen, mit einem Frauenanteil bei 45 %. Auch in Informationsformaten, im Kinderfernsehen und in den Bereichen Non-fiktionale Unterhaltung wurden ebenfalls mehr Frauen sichtbar.

Ein Blick in den Bereich Information: Den Angaben nach, lag der Anteil der weiblichen Moderatorinnen 2020 bei 49 %. Auch bei Journalist:innen und Reporter:innen, die im TV zu sehen sind, verzeichnet die Studie gegenüber 2017 ein Plus von 9 % (von 36 % auf 45 %). Die Zahl der Sprecherinnen liegt unverändert bei 28 %.

Bei Filmen und Serien aus 2020 stieg der Anteil von Frauen auf 47 %. Auch waren ältere Frauen ab 40 Jahren 2020 deutlich sichtbarer als noch vor vier Jahren. Im Kinderfernsehen zeigt sich, dass der Anteil weiblicher Protagonistinnen insbesondere bei eigenen, fiktionalen Produktionen der Sender gestiegen ist (von 34 % auf 44 %). In der non-fiktionalen Unterhaltung bleibt das Verhältnis von Männern und Frauen im Vergleich zu 2017 bestehen (Quiz- und Unterhaltungsshows: 13 %; im Bereich Comedy/Late Night: 23 %).

Weitere Vielfaltsmerkmale: Die Studie wurde erstmals auf andere Vielfalts-Dimensionen erweitert. In den untersuchten Programmen waren LBTQ-Personen zu 2 %, Menschen mit erkennbar schweren Behinderungen zu 0,4 % sowie Personen mit Migrationshintergrund zu 11 % bzw. People of Colour zu 5 % abgebildet.

Ansprechpartner

Tim Steinhauer

Senior Referent Medienverantwortung und Programm