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„Wir müssen handeln, bevor Gatekeeper zu Mautstationen werden“

25.10.2018

Radio-Panel des VAUNET zu sprachbasierten Plattformen und Endgeräten auf den Medientagen München

München/Berlin, 25. Oktober 2018 Sprachgesteuerte Audiodienste und Endgeräte verzeichnen einen wachsenden Erfolg bei den Nutzern und einer steigenden Zahl von Radiohörern. Doch die neuen Angebote unterliegen einer nur unzureichenden Regulierung. „Die Entstehung von Gatekeepern kann zur Gefahr für die Vielfaltssicherung in der deutschen Medienlandschaft werden“, warnte Klaus Schunk, Vorsitzender des Fachbereichs Radio und Audiodienste im VAUNET und Geschäftsführer von Radio Regenbogen, auf dem VAUNET-Panel „OK Radio, finde die Morningshow: Welche Rolle spielen sprachbasierte Plattformen und Endgeräte für die Zukunft des Radiohörens?“ auf den Medientagen München am 24. Oktober.

„Es muss gehandelt werden, bevor Gatekeeper zu Mautstationen werden. Die Medienpolitik muss präventiv den Zugang und die Auffindbarkeit lizenzierter Radiosender auf sprachbasierten Plattformen sicherstellen. Wir dürfen nicht darauf warten, dass wir ausgeschlossen werden.“ Schunk forderte, dass hierfür Kriterien transparent offengelegt werden müssen. Dies sei erforderlich, um nachhaltige Kooperationen mit Audiosystemen zu ermöglichen. Würden die Radioprogramme auf sprachbasierten Plattformen nicht mehr gefunden, warnte Schunk, hätte dies massive Auswirkungen auf deren Geschäftsmodelle und damit letztlich auf die Vielfalt des Angebotes für die Hörer.

„Kein anderes Medium hat eine so hohe Akzeptanz wie Radio“, betonte Schunk. „Unsere Programme bieten mit ihren nationalen Angeboten sowie insbesondere ihren regionalen und lokalen Programmen einen umfassenden Public Value.“

Thomas Fuchs, Direktor der Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH), zeigte großes Verständnis für diese Forderungen und appellierte: „Sprachassistenten sollten im Rahmen der Plattformregulierung des Medienstaatsvertrages berücksichtigt werden. Wir sollten weiterhin sehr intensiv im Dialog sein. Denn unabhängig davon, wie die Gesetzeslage ist, werden wir zur Beurteilung von Problemfällen konkrete Verfahren zu konkreten Verstößen brauchen.“ Solche Verfahren seien nötig, um eine Lösung und einen angemessenen Interessenausgleich der Betroffenen zu finden.

Wie sieht die Nutzung von sprachbasierten Plattformen in Zahlen aus? 40,9 Millionen Menschen ab 14 Jahren nutzen in Deutschland Online-Audio, das sind 58 Prozent der Nutzer. Und 45 Prozent nutzen Musik/Audio-Inhalte über Videoplattformen, gefolgt von Webradio mit 38 Prozent und Musikstreaming-Diensten mit 27 Prozent. Diese Auszüge aus dem von VAUNET mit beauftragten Online-Audio-Monitor 2018 stellte Dr. Oliver Ecke, Managing Director Kantar TNS, in seinem Impulsreferat „Smart Speaker: Der Audio-Boost?!“ vor. Online-Audio erreicht vor allem jüngere und gut gebildete Hörer. 94 Prozent der 14-19-Jährigen und 91 Prozent der 20-29-Jährigen geben an, so Radio und Audio zu hören. 79 Prozent der Online-Audio-Nutzer haben formal eine hohe Bildung.

Unter Online-Audio-Nutzern haben etwas mehr als acht Prozent einen Smart Speaker zu Hause. Besonders jüngere und gut Gebildete sind Smart-Speaker-affin. Und davon gehört haben sie schon fast alle (rund 82 Prozent).

Genutzt werde vor allem, wofür das Radio stehe: Audio-Inhalte wie beispielsweise Musik, Uhrzeit, Wetterbericht, Nachrichten.

Die digitale Entwicklung schreitet mit einer dramatischen Brisanz voran. Die Zeitfenster von digitalen Veränderungen werden immer enger. Dieses Resümee zog Thomas Kabke-Sommer, Managing Director von Crossplan Deutschland, in seiner Keynote „Reinvent and succeed: Audio Business im digitalen Umbruch“. Die Hörer wollen heute individuell angesprochen werden. Mehr denn je ist die zielgruppenspezifische Ansprache das A und O einer erfolgreichen Audio-Strategie. Deshalb riet Kabke-Sommer den Radiomachern: „Seien Sie relevant! Seien Sie in jedem Moment für Ihren Hörern wichtig! Bieten Sie das Programm, das er sucht: Informationen, Unterhaltung, Hintergründe.“ Radiosender müssten wissen, wo die Hörer sind, sowohl offline als online. Sein Fazit für die anwesenden Radiomacher: „Investieren Sie alles, was Sie haben, in digitale Datenintelligenz, in die Generation E und in Ihre Programm-Marke.“

Auch Kai Fischer, Mitglied des Fachbereichsvorstands Radio und Audiodienste im VAUNET und Vorsitzender der Geschäftsführung von Antenne Niedersachsen, unterstrich die VAUNET-Forderungen: „Bei der Regulierung für Smart Speaker ist der Gesetzgeber gefordert. Rund 1.000 Eingaben haben die Länder im Rahmen ihrer Konsultation zum Medienstaatsvertrag erreicht. Das immense Interesse zeigt eindrucksvoll die Bedeutung dieses Regelungswerkes für die Branchenbeteiligten und Verbraucher“, so Fischer. „Skills müssen erkennbar sein. Wir brauchen klare Regelungen zu Must-carry und Must-be-found.“

Sven Rühlicke, Geschäftsleiter, Digital und Chief Digital Officer von Antenne Bayern, sieht in der jetzigen Marktsituation auch Chancen: „Zum Pflichtprogramm gehört, ein eigenes Ökosystem mit eigenen Voice-Programmen anzubieten.“ So biete Antenne Bayern beispielsweise die personalisierte Gute-Nacht-Geschichte für Kinder „Affenbeste Freunde“ an. Auch müsse der Skill wiedererkannt werden – das sei das A und O beim Angebot für Smart Speaker.

 

Thomas Fuchs, Medienanstalt Hamburg/Schleswig-Holstein (MA HSH), zieht nach dem Panel Bilanz.

 

Hans Oberberger, Antenne Bayern, erklärt seine beiden wichtigsten Botschaften aus dem VAUNET Audio-Panel.

 

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Über VAUNET:
VAUNET ist der Spitzenverband der privaten audiovisuellen Medien in Deutschland. Unter VAUNET – Verband Privater Medien e.V. firmiert seit dem 21. Mai 2018 der vormalige VPRT (Verband Privater Rundfunk und Telemedien) mit Sitz in Berlin und einem Büro in Brüssel. Zu den vielfältigen Geschäftsfeldern der rund 150 Mitgliedern gehören TV-, Radio-, Web- und Streamingangebote.
Die Verbandsarbeit richtet sich an der konvergenten Entwicklung der Märkte für audiovisuelle Medien aus und gestaltet auf nationaler wie europäischer Ebene die Rahmenbedingungen aktiv mit. Der Wirtschaftsverband hat zum Ziel, Akzeptanz für die politischen und wirtschaftlichen Anliegen der audiovisuellen Medien zu schaffen sowie die große gesellschaftspolitische und kulturelle Bedeutung der Branche im digitalen Zeitalter ins Bewusstsein zu rücken.

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