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Gemeinsame Erklärung der ARD, des ZDF und des VPRT: Empfehlungen für Anforderungen von Navigatoren/EPGs

12.10.2006

Im Zuge der Digitalisierung der Übertragungswege wird eine für die Verbraucher kaum noch zu überblickende Zahl an Angeboten (= Rundfunkprogramme und Mediendienste) verfügbar sein. Deren Auffindbarkeit ist künftig sowohl für die Verbraucher als auch für die Anbieter (= Rundfunkveranstalter und Mediendiensteanbieter) von zentraler Bedeutung. Mit fortschreitender Digitalisierung etablieren Hersteller von Endgeräten sowie Netz- und Plattformbetreiber eine Vielzahl von Navigatoren und Elektronischen Programmführern (EPG) im Markt, die dem Nutzer zur Orientierung und Steuerung in der digitalen Programmwelt dienen sollen.

Vor diesem Hintergrund haben die öffentlich-rechtlichen und privaten Anbieter gemeinsame Grundanforderungen an die Ausgestaltung von Navigatoren/EPGs hinsichtlich Funktionalitäten, Angebotsdarstellung und Benutzerfreundlichkeit erarbeitet. Dabei wurden sowohl die Marktgegebenheiten, die technische Umsetzbarkeit und die bestehenden Nutzungsgewohnheiten der Zuschauer, als auch die rundfunkrechtlichen Anforderungen hinsichtlich Chancengleichheit und Diskriminierungsfreiheit berücksichtigt.

So sollen Navigatoren/EPGs grundsätzlich werbefrei und neutral gestaltet werden. Herausstellungen einzelner Angebote oder Anbieter sollen nicht erfolgen. Die Listung/Sortierung der Programme und Angebote, deren Darstellung sowie die Vergabe von Programmplatznummern sollen diskriminierungsfrei erfolgen. Die Listung soll bei Bedarf, mindestens aber einmal jährlich durch die Anbieter überprüft und gegebenenfalls an veränderte Bedingungen angepasst werden.

Die vorliegenden Empfehlungen für „Anforderungen an Navigatoren/EPGs“ richten sich an die Hersteller und Betreiber von Navigatoren/EPGs über alle Verbreitungswege (z. B. Kabel einschließlich IP-TV, Satellit und Terrestrik) und Endgeräte (z.B. Fernseher, Set-Top-Boxen, PCs, Mobiltelefone oder MDA/PDA), über die Rundfunkinhalte und Mediendienste übertragen und empfangen werden. Sie sollen den Landesmedienanstalten vorgelegt und mit den Marktpartnern diskutiert und hinsichtlich weiterer Umsetzungsdetails konkretisiert werden.

Empfehlungen für Anforderungen an Navigatoren/EPGs

Diese Anforderungen richten sich an die Hersteller und Betreiber von Navigatoren/EPGs über alle Netze (z. B. Kabel einschließlich IP-TV, Satellit, und Terrestrik) und Endgeräte (z.B. Fernseher, Set-Top-Boxen, PCs, Mobiltelefone oder MDA/PDA), über die Rundfunkinhalte und Mediendienste übertragen und empfangen werden. Sie gelten für die Ton- und Bildschirmdarstellung ebenso wie für die Ausgestaltung der Endgeräte (z.B. Fernbedienung oder Receiver-Display).

Navigatoren und EPGs im Sinne dieser Anforderungen sind alle Systeme, die auch die Auswahl von Fernsehprogrammen steuern und die als übergeordnete Benutzeroberflächen zur Steuerung und Auswahl für alle über das System angebotenen Dienste verwendet werden.

Navigatoren sollen grundsätzlich benutzerfreundlich und werbefrei gestaltet werden. Zur Sicherung der Diskriminierungsfreiheit sollen sie keine bevorzugte oder herausgestellte Darstellung einzelner Programme enthalten.

Sie sollen grundsätzlich TV und Radio berücksichtigen. Die Sortierung der Angebote (= Rundfunkprogramme und Mediendienste) sowie die Vergabe von Programmplatznummern soll diskriminierungsfrei erfolgen. Die Listung soll bei Bedarf, mindestens aber einmal jährlich durch die Anbieter (= Rundfunkveranstalter und Mediendiensteanbieter überprüft und gegebenenfalls an veränderte Bedingungen angepasst werden.

Einstieg mit dem zuletzt gesehenen Angebot
- Zum Einstieg (nach dem Einschalten) soll automatisch das zuletzt gesehene Angebot erscheinen. Die vom Sender/Anbieter gelieferten Informationen mit SI-Daten zum laufenden Programm (z.B., Sender, Bouquetname, Titel der Sendung, Start- und Endzeit, Kurz- und Langinformation, Fortschrittsbalken) gemäß DVB-Standard sind abzubilden.

Funktionalität/Fernbedienung
- Durch Drücken der zentral angeordneten Navigatortaste (NAV- bzw. OK-Taste) soll der Navigator gestartet werden. Bild und Ton sollen beim Einschalten des Navigators erhalten bleiben. Das Bild wird nur zum Teil abgedeckt.
- Auf der Fernbedienung soll eine Taste „TV/Radio“ enthalten sein, um zwischen TV-und Radio-Angeboten wechseln zu können.
- Es soll eine separate Taste für (interaktive) Dienste vorgesehen werden. Durch Betätigen der Taste sollen die im Zusammenhang mit dem aktuell ausgewählten Angebot verfügbaren interaktiven Dienste aufgerufen und die Nutzung der bereitgestellten interaktiven Anwendungen ermöglicht werden können.
- Eine Bevorzugung von einzelnen Angeboten durch Hervorhebung spezieller Tasten auf der Fernbedienung soll grundsätzlich ausgeschlossen sein.
- Diese Kriterien gelten grundsätzlich für alle zusammen mit einem Endgerät entwickelten Fernbedienungen.

Werbefreiheit und direkter Zugang
- Der Navigator sowie die Programm- und Dienstelisten sollen grundsätzlich neutral und werbefrei ausgestaltet werden.
- Eine Erschwerung oder eine Verzögerung des Zugangs zu einzelnen Angeboten durch die Zwischenschaltung von Werbung soll ausgeschlossen sein.
 
Vollständige Darstellung, keine Empfehlung von Angeboten

- Alle empfangbaren Angebote sollen im Navigator vollständig und ohne Empfehlungen dargestellt werden (z. B. „Tipp des Tages“).
- Alle empfangbaren Angebote sind unter Verwendung der von den jeweiligen Programm-/Diensteanbietern gelieferten standardisierten DVB-SI-Daten unverändert abzubilden, d. h. ohne Zustimmung des Anbieters werden keine weiteren Daten im Kontext der Programmsignalisierung angezeigt.
- Die vom Sender bereitgestellten Jugendschutzinformationen sind unverändert zu übernehmen und weiterzuleiten.

Neutrale Vergabe von Programmplätzen
- Die Vergabe von Programmplätzen sowie Programmplatznummern soll anhand von neutralen und diskriminierungsfreien Kriterien erfolgen (siehe nachstehende Empfehlungen zu Menüpunkten und Listung).
- Sollte ein Angebot nicht zu empfangen sein (da z. B. nicht abonniert oder freigeschaltet), soll ein einheitlicher Hinweis aufgenommen werden. Dieser Hinweis soll Informationen enthalten, wie das Angebot empfangen / abonniert werden kann.

Diskriminierungsfreie Darstellung
- Alle Angebote sollen in gleicher Art dargestellt werden, d. h. ohne dass einzelne Angebote bevorzugt oder benachteiligt werden (z. B. durch kleinere, größere, andere Schriftart, Hervorhebung durch Farben oder Effekte, Unterstreichen etc.). Nicht abonnierte bzw. nicht freigeschaltete Angebote sollen als solche gekennzeichnet werden. Auf neue Angebote kann einmalig in geeigneter Weise besonders hingewiesen werden.

Bouquetdarstellung
- Das unmittelbare Einschalten/direkte Erreichen der einzelnen Angebote und Programmbouquets einschließlich bouqueteigener elektronischer Programmführer ist nach dem Stand der Technik zu ermöglichen.
- Der Zugang zu den Programmbouquets und Genre-Rubriken ist auch über die jeweiligen Angebote zu gewährleisten.
- Die Zuordnung von Angeboten zu Bouquets und Genre-Rubriken obliegt den Anbietern.

Darstellung von Regionalfenstern
- Die zeitweise Zuschaltung von Regionalfenstern durch Rundfunkveranstalter über sich dynamisch ändernde PMTs (Program Map Tables) sowie die senderseitigen Änderungen dieser PMT sind in Echtzeit zu übernehmen.

Darstellung von Begleitdiensten
- Die über DVB-SI mit einem Angebot verknüpften Begleitdienste (z.B. Teletext, Mehrkanalton, MHP-Applikationen) sollen bei der Auflistung zusammen mit dem Angebot dargestellt werden.

Änderungen von DVB-SI-Daten
- Änderungen von DVB-SI-Daten sollen erkannt und die im Endgerät zwischengespeicherten Programminformationen kurzfristig aktualisiert werden. Der Übergang von der gerade laufenden auf die nächste Sendung soll vom Navigationssystem über die DVB-SI-Daten synchron detektierbar sein.
 
Empfehlungen zu Menüpunkten und Listung

Für die konkrete Ausgestaltung von Menüpunkten und Programmlistung in Navigatoren/EPGs wird das folgende Modell vorgeschlagen:

Auf der primären Navigationsebene sollen sechs gleichberechtigt abgebildete und gleichermaßen sichtbare Menüpunkte vorgesehen sein:

Favoriten, Free, Abo/Pay, Alle, Bouquets/Genres, Radio

Auf der sekundären Navigationsebene sollen folgende Listen abgebildet werden:

- Die „Favoriten“ -Liste soll keine Voreinstellung enthalten und für den Benutzer einfach und aus allen Navigationsebenen heraus mit den favorisierten Angeboten (Rundfunkprogramme/Mediendienste) belegt werden können.

- Im Bereich „Free“ soll eine Sortierung nach marktgerechten Kriterien erfolgen (siehe Senderliste).

- Im Bereich „Abo/Pay“ sollen alle Pay-Angebote diskriminierungsfrei (z.B. Alphabet) abgebildet werden.

- Der Menüpunkt „Alle“ soll die Free- und Pay-Angebote in alphabetischer Reihenfolge abbilden (Zahlen vorab).

- Das Menü „Bouquets/Genres“ bietet dem Anwender zugleich Zugriff auf die nach marktgerechten Kriterien sortierte Liste der Programm-Bouqets sowie auf die Genre-Liste. Der Anbieter ordnet ein Angebot jeweils nur einem Genre zu. Die Zuordnung ist an Lizenzvorgaben oder am inhaltlichem Schwerpunkt des Angebotes orientiert. Die Genres sollen wie folgt abgebildet sein:

-Hauptprogramme
-Regionale Programme
-Spielfilm/Serie
-Sport
-News/Doku/Kultur
-Musik/Lifestyle/Comedy
-Kinder
-Shopping
-Quiz/Spiele
-Weitere (darin Subkategorien: Fremdsprachen, Erotik, ...)

Innerhalb der Genres sollen die Angebote diskriminierungsfrei (wenn möglich z.B. nach MA, Alphabet oder Sendestart) gelistet werden.

- Der Menüpunkt „Radio“ soll zum Radio-Navigator führen.

Ansprechpartner

Frank Giersberg

Geschäftsführer