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Versteh noch einer die jungen Menschen: zum Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen

28.05.2019

Zwei aktuelle Untersuchungen geben Einblicke in das Medienverhalten von Kindern und Jugendlichen.

Die schulische Routine sowie festgelegte Freizeitaktivitäten nehmen viel Raum im kindlichen Alltag ein. Dies zeigt die Studie „Fourscreen Touchpoints Kids 2019" der Mediengruppe RTL. Sie gibt einen detaillierten Einblick in den Tagesablauf der 8- bis 13-Jährigen in Deutschland. Für die mobile Tagebuchstudie wurden über 400 Kinder drei Tage lang per Smartphone im Halbstundenrhythmus zu Aktivitäten, Aufenthaltsorten und Umfeld befragt. Die Daten zeigen, dass ihnen an Wochentagen im Durchschnitt acht Stunden und acht Minuten zur freien Verfügung stehen. Die allgemeine Meinung, dass Kids nur noch vor dem Bildschirm sitzen, bestätigen die Ergebnisse nicht. Ganz im Gegenteil: Der Kinderalltag ist vielfältig. Mediennutzung spielt eine wesentliche Rolle, aber keine ausschließliche.

Die Top 3 der medialen Nutzung sind Fernsehen (93%), Lesen (75%) und Hören (71%). Umgerechnet in Nutzungsdauer bedeutet dies, dass die 8- bis 13-Jährigen täglich 66 Minuten mit Fernsehen verbringen, 35 Minuten mit Lesen und 34 Minuten mit Hörmedien. Auf das Smartphone entfallen 31 Minuten und damit neun Minuten mehr als in der letzten Erhebung aus dem Jahr 2014. Das Smartphone hat erwartungsgemäß am kräftigsten zugelegt.

Youtube hat sich etabliert, löst das lineare Fernsehen aber bei weitem nicht ab

Beliebteste mediale Beschäftigung an allen Screens ist die Videonutzung. Video macht somit ein Fünftel der Gesamtkontakte der Tagesablaufstudie aus. Ein differenzierter Blick auf den Videokonsum der 8- bis 13-Jährigen zeigt, dass der Löwenanteil an TV geht. 71 Prozent der Videonutzung ist linear. Youtube kommt bei der sogenannten "Generation Youtube" mit lediglich 15 Prozent an zweiter Stelle. Youtube hat sich etabliert, löst das lineare Fernsehen aber bei weitem nicht ab. Lediglich vier Prozent der befragten Kinder haben innerhalb der drei Tage ausschließlich Youtube genutzt. Dagegen haben fast alle Kinder, die Youtube nutzen, auch weiterhin Fernsehen geschaut. An dritter Stelle des Videokonsums kommen die Streamingangebote (8%). Damit hat Streaming in die Lebenswelt der Kinder Einzug gehalten, aber noch keinen so großen Raum eingenommen. Die non-lineare Nutzung steigt erst mit dem Alter an. Bei den 8- bis 10-Jährigen liegt der Streaminganteil gerade mal bei sechs Prozent, bei den 11- bis 13-Jährigen bei zehn Prozent.

Das Zeitbudget für das Lesen entfällt zu 36 Prozent auf Bücher, und zwar in gedruckter Form anstelle von eBooks. 31 Prozent der Lesekontakte und somit immerhin elf Minuten pro Tag widmen sich die Kinder Magazinen und Comics.

KIM-Studie 2018: Fast alle Kinder haben Zugang zum Internet

Fast alle Kinder können laut KIM-Studie 2018 (Kindheit, Internet, Medien) zufolge zu Hause das Internet nutzen und zwei Drittel der 6- bis 13-Jährigen tut dies auch. Am häufigsten recherchieren Kinder dabei in Suchmaschinen, verschicken WhatsApp-Nachrichten und sehen sich YouTube-Videos an. Für die Studie wurden rund 1.200 Kinder befragt; der Medienpädagogische Forschungsverbund Südwest erstellt die Erhebung seit 1999.

Auch die Ergebnisse der KIM Studie 2018 zeigen, dass der mediale Alltag der Grundschüler die hohe Dynamik der Medienwelt nicht nachvollzieht. Neue Angebote sind meist erst für ältere Kinder relevant. Insgesamt bildet das Fernsehen noch immer die stärkste Säule im Medienalltag der Kinder.

Die Internet-Nutzung steige mit dem Alter: Während von den 6- bis 7-Jährigen ein Drittel zumindest selten im Internet unterwegs ist, sind es im Alter von acht bis neun Jahren schon knapp drei von fünf Kindern, mit zehn und elf Jahren vier von fünf und bei den 12- bis 13-Jährigen surfen mit 94 Prozent schon fast alle Kinder.

Der Schwerpunkt liegt auf WhatsApp

Im Laufe einer Woche nutzt jeweils jeder Vierte Facebook oder Wikipedia und verschickt E-Mails. Ein Fünftel ist mindestens wöchentlicher Snapchat-Nutzer, 17 Prozent nutzen regelmäßig Instagram. Die Nutzung von Social Media-Angeboten werde laut KIM-Studie erst bei älteren Kindern wichtig. Der Schwerpunkt liegt dabei derzeit auf WhatsApp.

In der Schule kommen dagegen digitale Geräte nur sehr punktuell zum Einsatz, berichteten die Kinder bei der Befragung. Im Unterricht spielt der traditionelle Computer die Hauptrolle mit 31 Prozent Nutzung. Mobile Geräte wie das Smartphone sowie Notebooks oder Laptops würden in weniger als jedem fünften Fall eingesetzt.

 

Ansprechpartner

Tim Steinhauer

Referent Medienverantwortung und Programm