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Studie: Definition europäischer Werke innerhalb der EU-Staaten

23.06.2020

Die Auswirkungen einer konkreten Definition der Nationalität eines audiovisuellen Werkes sind beträchtlich. So ist die Nationalität ausschlaggebend für die Anspruchsberechtigung sowohl für die Finanzierung durch Filmfonds als auch für die Investitions- und Anteilsverpflichtungen öffentlicher und privater Anbieter audiovisueller Mediendienste.
Die Definition der Europäischen Werke in der Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AVMD) lässt den Mitgliedstaaten einen relativen Handlungsspielraum. Die Europäische Audiovisuelle Informationsstelle, die Teil des Europarates in Straßburg ist, erstellte eine Studie, die einen Überblick der nationalen Regeln rund um die Bestimmung der Nationalität eines audiovisuellen Werkes in den EU-Staaten gibt. Die Autoren sehen die Notwendigkeit einer gesamteuropäischen Datenbank.

Nationale Auslegung der AVMD-Richtlinie erhöht Komplexität

Basis der Analyse ist die AVMD-Richtlinie als das zentrale europäische Regelwerk in diesem Kontext. Sie bestimmt die Regeln für die Definition eines audiovisuellen Werks, die Regeln zur Bestimmung der Nationalität und die Folgen daraus. Die Richtlinie sieht vor, dass die Fernsehveranstalter in Europa einen Großteil ihrer Sendezeit für europäische Werke reservieren müssen und dass die VoD-Anbieter mindestens 30 Prozent der europäischen Werke in ihren Katalogen aufnehmen müssen. Hier kann es jedoch zu Diskrepanzen kommen, da jedes Land die AVMD-Richtlinie unterschiedlich anwendet, was zu unterschiedlichen nationalen Praktiken führt. Zudem gibt es die Möglichkeit, über die Vorschriften der Richtlinie hinauszugehen, indem strengere oder detailliertere Vorschriften erlassen werden. Der vergleichende Überblick über die verschiedenen rechtlichen Bedingungen in Bezug auf die Nationalität eines Werkes umfasst die 28 Mitgliedsstaaten der Europäischen Union vor dem Austritt des Vereinigten Königreichs. So untersuchen die Autoren beispielsweise die Berichterstattung über die Einhaltung der Vorschriften über Nationalität, den Umgang mit Koproduktionen und europäischen Werken sowie die korrekte Kennzeichnung eines Werkes als europäisch unter Verwendung der richtigen Metadaten.

Unsicherheit und Mehraufwand für Sender

Der Bericht befasst sich zudem mit den Meinungen von Akteuren der Branche zu den Herausforderungen im Zusammenhang mit der Nationalität audiovisueller Werke. Dabei untersucht er, welche verschiedenen Instrumente zur Bestimmung ihnen zur Verfügung stehen. Das Forschungsteam befragte unter anderem Rundfunkanstalten, Sender und VoD-Dienste. Die Antworten zeigen, wie komplex die Frage nach der Nationalität für die Industrie ist. Eine der größten Stolpersteine scheint der Zugang zu zuverlässigen Daten über die Nationalität eines Werkes für Sendeanstalten oder VoD-Plattformen zu sein, die den betreffenden Film oder das betreffende Programm zeigen wollen. Normalerweise sollte der Rechteinhaber diese Informationen zur Verfügung stellen. Die europäische Nationalität eines Werkes ist meist Bestandteil der vertraglichen Vereinbarung zwischen dem Fernsehveranstalter und dem Rechteinhaber, der die Ausstrahlungsrechte gewährt. Als Quellenmaterial greifen einige Akteure auf Datenbanken wie die IMDB oder die Datenbanken nationaler Filmzentren zurück. Die ISAN- oder EIDR-Kennung kann ebenfalls ein Mittel zur Bestimmung der Nationalität sein. Dies gilt jedoch mit Einschränkung, da die Angabe nicht unbedingt zu 100 Prozent korrekt sein muss. So zeigt sich, dass die Informationen vom Registrierenden selbst eingegeben und nur bis zu einem gewissen Grad überprüft werden. In Ermangelung einer standardisierten Bewertung der Nationalität eines Werkes verwendet die Industrie das, was verfügbar ist. Dies führt zu Unsicherheit und Mehraufwand.

Gesamteuropäische Datenbank ist notwendig

Die Studie bietet eine umfangreiche Übersicht an Länderprofilen mit Informationen über die Definition eines Werkes, die nationale Anwendung der AVMSD-Bedingungen, den nationalen Rahmen und geplante Änderungen. Zudem wird gegenübergestellt, wie die Kennzeichnung eines Werkes erfolgt und auf welche Art und Weise die Daten auf nationaler Ebene zusammengestellt werden.
Der Bericht kommt zu dem Schluss, dass von den verschiedenen Branchen ein Bedarf an einer gesamteuropäischen Datenbank besteht. Diese kann die benötigten zuverlässigen und harmonisierten Informationen über die Nationalität der audiovisuellen Werke in Europa liefern. Den derzeitigen Standards zur Definition der Nationalität fehlt ein gemeinsamer Ansatz. Das Gleiche gilt für die verschiedenen Metadaten, die erforderlich sind, um ein Werk als "europäisch" zu kennzeichnen und es somit für die Aufnahme in die Sende- und VoD-Quoten zu qualifizieren.
Die Studie wurde im Auftrag der Europäischen Kommission in Zusammenarbeit mit einer Gruppe nationaler Experten durchgeführt.

 

Ansprechpartner

Anne Peigné de Beaucé

European Affairs Manager