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Polen untersucht Verdacht auf Missbrauch von Marktmacht durch Apple

21.12.2021

Im April hatte Apple neue Maßnahmen zur Verarbeitung personenbezogener Daten eingeführt, die ein Tracking von Nutzer:innen durch digitale Werber unterbinden und so, laut Apple, für mehr Datenschutz sorgen sollten. Dieses Vorgehen erregte die Aufmerksamkeit mehrerer Wettbewerbsbehörden, da Apple selbst im Werbegeschäft tätig ist. Die polnische Kartellbehörde geht nun dem Verdacht nach, die Datenschutzoffensive des Technologiekonzerns könnte in Wahrheit das Ziel verfolgen, Konkurrenten auf dem Werbemarkt auszuschalten, so der Präsident der polnischen Wettbewerbsbehörde UOKiK, Thomasz Chrostny.

Die von Apple eingeführte „App Tracking Transparency“ (ATT) erlaubt es Dritten nur dann, Signale von iPhones zu empfangen und zu verarbeiten, wenn diese Daten anonymisiert und aggregiert sind. Damit sollen eindeutige Geräte-Identifizierungen unterbunden werden, wie die „Financial Times“ berichtet. Seither hätte eine neue Art von Tracking stark an Bedeutung gewonnen, bei der Signale z. B. von iPhones auf der Ebene von Nutzer:innengruppen analysiert und zugeordnet werden.

Das Targeting werde dadurch entsprechend weniger personalisiert. Zudem würden Informationen, beispielsweise ob eine Werbeanzeige zur Installation einer App geführt hat, statt in Echtzeit nur noch mit bis zu 72 Stunden Verspätung übermittelt werden, berichtet „Der Standard“. Das Werbenetzwerk von Apple liefere seinen Werbenden hingegen tiefgreifendere und aktuellere Informationen. Aus diesem Grund hätten viele Werbetreibende ihre Etats auf das Apple-Angebot verschoben.

Der Financial Times zufolge habe sich so in nur sechs Monaten der Marktanteil von Apple bei Werbeanzeigen, die zu einer App-Installation auf iOS weiterleiten, von 17 auf 58 Prozent verdreifacht. Apple hätte die übrige Werbeindustrie im iOS-Universum damit „blind“ gemacht.

Ansprechpartner

Dr. Christina Oelke

Stv. Justiziarin