Back to top

Netflix, Amazon & Co. müssen ca. ein Viertel ihrer französischen Einnahmen in lokale Inhalte investieren

07.07.2021

Die französische Regierung hat ein Dekret erlassen, dass Streaming-Dienste wie Netflix, Amazon & Co. dazu verpflichtet, 20-25 % ihrer französischen Einnahmen in lokale, französische Inhalte zu reinvestieren. Damit setzt Frankreich die den EU-Mitgliedstaaten durch die Richtlinie 2018/1808 eingeräumte Möglichkeit um, ihre Regelungen zu Investitionsverpflichtungen abweichend vom Herkunftslandprinzip, das nur die Anwendung der Vorschriften des Niederlassungslandes der Dienstleistungen vorsieht, auch auf ausländische Dienstleistungen anzuwenden, die auf sie abzielen. Frankreich hatte im Vergleich zu den anderen Mitgliedstaaten schon die umfangreichsten Regeln in Hinsicht auf Investitionsverpflichtungen. Das Land hatte sich aber im Rahmen der Verhandlungen der neuen EU-Richtlinie über audiovisuelle Mediendienste (AVMD-RL) dafür eingesetzt, dass ein Mitgliedstaat auch ausländischen Diensten wie Netflix neue Investitionspflichten auferlegen kann.

Die EU-KOM hatte im März 2021 Vorbehalte gegenüber dem damals noch geplanten Dekret geäußert, weil die Mindestproduktionsquoten in französischer Sprache "wahrscheinlich Vorteile für in Frankreich ansässige Produktionsunternehmen schaffen" und "deutlich über den von der Rechtsprechung als verhältnismäßig angesehenen Quoten" liegen. Die französischen Behörden haben aber an ihren Plänen festgehalten.

So knüpft das neue französische Dekret, das während der letzten 18 Monate ausgehandelt wurde, die Höhe der Investitionsverpflichtungen in lokale Inhalte an den zeitlichen Zugang zu neuen Filmen, das sogenannte „Windowing“ (“chronologie des médias”). Konkret ist vorgesehen, dass Streaming-Anbieter ein Viertel ihres Jahresumsatzes (25 %), den sie in Frankreich erwirtschaftet haben, in französische Inhalte und Produktionen investieren müssen, um auf Filme bereits während der ersten 12 Monaten nach ihrem Kinostart zugreifen zu können. Streaming-Dienste, die 20 % ihrer französischen Einnahmen in lokale Inhalte reinvestieren, werden Zugang zu Filmen haben, die 12 Monate oder älter sind. Zuvor galt ein 36-Monats-Fenster für den Zugriff auf neue Filme. Netflix ließ verlauten, dass es 20 % seiner französischen Umsätze reinvestieren möchte, um ein 12-Monats-Fenster zu erhalten.

Dabei ist vorgesehen, dass 80 % der 20 %, die z. B. Netflix in französische Inhalte investiert, für audiovisuelle Werke wie Serien, TV-Filme und Dokumentationen verwendet werden, während die restlichen 20 % (oder 4 % des Gesamtumsatzes des Anbieters in Frankreich) in Kino-Filme investiert werden müssen.

Konkrete Details über den zeitlichen Zugang zu neuen Filmen (der sog. Chronologie des médias), der an die Investitionsverpflichtungen geknüpft ist, werden seit Monaten separat zwischen französischen Branchenvertreter:innen, TV-Sendern und Streaming-Diensten verhandelt. Die französische Regierung hat verlauten lassen, dass sie im Alleingang neue Regeln für das Windowing bzw. die Chronologie des médias erlassen würde, wenn keine Einigung im Branchenkreis erzielt werden kann. Parallel dazu muss ein Abkommen mit den französischen Rundfunkbehörden unterzeichnet werden, um die neuen Investitionsverpflichtungen festzuhalten. Zudem wird eine Diversity-Klausel diskutiert, die den Streaming-Anbieter in eine bestimmte Anzahl von Filmen mit unterschiedlichen Budgets investieren lässt.

Medienberichten zufolge prognostizierte Netflix für seinen Jahresumsatz in Frankreich im Jahr 2023 eine Investitionshöhe von 40 Mio. Euro (4 % des Gesamtumsatzes in Frankreich) in lokale Inhalte. Dabei möchte der Streaming-Gigant 15 bis 20 Filme pro Jahr finanzieren.

Zudem regelt das Dekret die Rechteverteilung bei finanzierten Inhalten neu: Bisher besaß der Streaming-Anbieter die globalen Rechte an den von ihm finanzierten audiovisuellen Inhalten. Künftig sollen jedoch zwei Drittel der Investitionen in unabhängige Produktionen fließen, deren Exklusivrechte auf 36 Monate begrenzt sind.

Mehr zur Thematik

Seiten

Ansprechpartner

Anne Peigné de Beaucé

Senior European Affairs Manager