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IRT: Fortführung mit reduziertem Aufgabenspektrum?

10.06.2020

Das Institut für Rundfunktechnik (IRT) in München hat möglicherweise doch noch eine Zukunft. "Momentan ist noch nicht klar, ob das IRT fortgeführt werden kann oder komplett aufgelöst werden muss", sagte der Sprecher der öffentlich-rechtlichen Tochtergesellschaft, Thomas Schierbaum, am 8. Juni 2020 dem Evangelischen Pressedienst (epd). Um eine komplette Auflösung zu verhindern, bemühe sich ein Teil der Gesellschafter um eine Fortführung mit einem veränderten, reduzierten Aufgabenspektrum. "Die Entscheidung darüber hängt auch vom Ausgang der Gespräche mit den Mitarbeitervertretungen ab", sagte Schierbaum.

Die Gespräche zwischen IRT-Geschäftsleitung, dem Betriebsrat und den Gewerkschaften hätten begonnen. "Dabei werden Voraussetzungen besprochen, die einen Neustart des IRT ermöglichen sollen", sagte der Sprecher. Ein Zeitpunkt, wann sich die Zukunft des Instituts klären wird, stehe noch nicht fest. "Bezüglich fortführungswilligen und ausscheidenden Gesellschaftern können wir uns als IRT derzeit nicht äußern", sagte Schierbaum zudem.

Alle Gesellschafter des IRT hatten ihre Verträge zum Jahresende 2020 gekündigt. Das Institut wird derzeit noch von allen neun Landesrundfunkanstalten der ARD getragen, hinzu kommen ZDF, Deutschlandradio und Deutsche Welle sowie die öffentlich-rechtlichen Anstalten aus Österreich und der Schweiz, ORF und SRG.

Bereits im Dezember 2019 war bekanntgeworden, dass das ZDF sich aus dem gemeinsamen Unternehmen zurückzieht und seinen Gesellschaftervertrag zum Jahresende 2020 gekündigt hat. Zur Begründung hieß es unter anderem, der Bedarf nach dem rundfunkspezifischen Know-how des IRT sei beim ZDF gesunken. Nach Angaben des Instituts war die Entscheidung des ZDF Auslöser für die Kündigungen der restlichen Anstalten: Die anderen Gesellschafter sähen sich nach dem Ausstieg des Mainzer Senders nach eigenen Angaben nicht in der Lage, die zusätzlichen finanziellen Belastungen von rund 2,5 Millionen Euro pro Jahr zu tragen.

Das Institut hat mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die meisten davon Ingenieurinnen und Ingenieure. Es wurde 1956 gegründet und forscht zur Weiterentwicklung von Medien- und Kommunikationstechnologien. Neben den Gesellschafterzuschüssen finanziert es sich über eigene Erträge etwa aus der Patentverwertung.

Ansprechpartner

René Böhnke

Senior Referent Medientechnologie & IT