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Herr Hillmoth, erzählen Sie doch mal!

20.06.2019

Zum Ausscheiden von Hans-Dieter Hillmoth als Geschäftsführer und Programmdirektor Radio/Tele FFH, haben wir ein kurzes Interview mit ihm geführt und erfahren, was Radio für ihn bedeutet, wer ihn geprägt hat, wie sich die Branche im Laufe der Jahre verändert hat und wo die Reise hingeht.

Lieber Herr Hillmoth, rückblickend auf über 30 Jahre als Radiomacher, was zeichnet Radio Ihrer Meinung nach aus?

Radio ist auch nach 30 Jahren das letzte klassische „Massenmedium" in Deutschland. Radio lebt – und wie! Gut gemachtes Radio bildet mit den Hörern eine tolle „Community". Die Nähe des Programms zu seinen Hörern bleibt auch in Zukunft wichtig.

Sie haben von Beginn an die private Radiolandschaft in Deutschland mitgestaltet. Welches waren die größten Einschnitte bzw. Entwicklungen, die die deutsche Radiolandschaft verändert haben?

Wir haben angefangen mit Schallplatten, elektrischen Schreibmaschinen und Postkarten anstelle von Social Media – und die wenigen Autotelefone, die wir damals hatten, waren in riesigen Koffern untergebracht. Das Internet gab es noch nicht. Radio hat alle technischen Neuerungen mitgemacht und für sich zu nutzen gewusst. Deshalb steht Radio heute so gut da: Radio schwimmt auch dank neuer Audioplattformen und -formate wie Spotify, Alexa und Podcasts weiterhin auf einer beispiellosen Erfolgswelle.

Gab es Menschen und Persönlichkeiten, die Sie und Ihre Karriere in besonderer Weise geprägt haben?

Klar, Hermann Stümpert beispielsweise, Gründer von Radio Schleswig-Holstein, war so ein „Typ" und Radio-Urgestein mit viel „Bauchgefühl" – im wahrsten Sinne des Wortes – für die Wünsche der Hörer und dem unbedingten Willen, immer wieder Neues für unser Medium zu entdecken.

Radio war für Sie ja auch immer eine Herzensangelegenheit, was wünschen Sie der deutschen Radiobranche für die Zukunft?

Natürlich anhaltenden Erfolg – programmlich wie wirtschaftlich. Ich hoffe, dass die wenigen verbliebenen Medienpolitiker nicht immer nur auf das Wohl der Öffentlich-Rechtlichen schielen, sondern auch den Wert der privaten Radiosender für den gesellschaftlichen Zusammenhalt anerkennen und das duale Rundfunksystem ausbalancierter gestalten. Auch die Landesmedienanstalten sollten sich wieder mehr darauf besinnen, dass sie auch die „Anwälte" der Privaten sind.

Wenn Sie in die Glaskugel schauen, wie hören Sie in fünf Jahren Radio?

In fünf Jahren, hoffe ich, wird das Radio-Streaming kräftig in der Hörergunst gestiegen sein. Damit lassen sich fürs private Radio endlich viele neue Geschäftsmodelle erschließen. Vor allem UKW aber auch DAB+ wird es weitergeben, das sind und bleiben aber „tumbe" Übertragungsmedien – ohne Rückkanal und Interaktion mit dem Hörer.

Stellen Sie sich vor, Sie müssten für Moderator Daniel Fischer bei der FFH-Morningshow einspringen: Welcher Song würde auf jeden Fall auf Ihrer Playlist stehen?

Ich bin kein Moderator – allenfalls an Weihnachten – und mehr der Mann für „Hinter den Kulissen", deshalb haben wir auch so viele Hörer. Ich höre gerne Jazz, auch Leonhard Cohen beispielsweise. In der Frühsendung würde ich aber keinem bei FFH raten, diese beiden Genres zu spielen.