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Medienanstalten: Private Medien bauen barrierefreies Fernsehen weiter aus

12.05.2022

Der Anteil an untertitelten Programminhalten im privaten Fernsehen – vor allem im Bereich von reichweitenstarken Shows, Serien und Spielfilmen – wird kontinuierlich weiter ausgebaut. Das ist das Ergebnis des neunten Monitoringberichts der Landesmedienanstalten zur Barrierefreiheit. Die Gesamtkonferenz der Medienanstalten (GK) begrüßt das Engagement der privaten Sendergruppen zum Ausbau des Angebots an barrierefreien Programminhalten. Die Förderung der Barrierefreiheit in den Medien sei zentral für ein „Mehr“ an gleichberechtigter gesellschaftlicher Teilhabe für Menschen mit Behinderungen.

Neben dem fortschreitenden Ausbau der einfachen Untertitelung zeigt der Bericht zudem, dass auch Gebärdenübersetzung und Audiodeskription vermehrt in den Fokus rücken. Die Direktorin der Bremischen Landesmedienanstalt und Themenverantwortliche der Medienanstalten für Barrierefreiheit, Cornelia Holsten, betont anlässlich der Veröffentlichung des Berichts, dass die Ergebnisse eindrucksvoll belegen, „dass Barrierefreiheit in den privaten Medien mittlerweile weit über das Thema Untertitelung hinausgeht. Gebärdensprache, Audiodeskription und leichte Sprache nehmen an Bedeutung zu und werden dies hoffentlich auch in Zukunft weiter tun.“

Die Ergebnisse für RTL Deutschland zeigen, dass rund 30 untertitelte Sendungen über den Tag hinweg ausgestrahlt werden, von denen im Schnitt täglich zehn unterschiedliche Formate in die reichweitenstarke Primetime fallen. Zudem wurde das Triell um das Kanzleramt erstmals mit Gebärdensprache ausgestrahlt. RTL habe zudem Standards für die Darstellung von Untertiteln etabliert. Zum zweiten Mal in Folge liegen darüber hinaus Daten zum RTL Video-on-Demand-Angebot RTL+ (ehemals TV Now) vor, die zeigen: Der Anteil untertitelter Programminhalte wurde im Jahr 2021 verdreifacht. Die ProSiebenSat.1 Media SE verweist zudem auf eine Verbesserung des Inklusionskonzepts, z. B. durch den Abschluss einer Inklusionsvereinbarung in 2021 zwischen der Konzernleitung, dem Betriebsrat und der Schwerbehindertenvertretung sowie durch die Ernennung einer Inklusionsbeauftragten mit dem Ziel, die Vielfalt der Belegschaft zu fördern. Darüber hinaus greife die Senderfamilie regelmäßig Themen aus der Lebenswelt von Menschen mit Behinderung in non-fiktionalen und fiktionalen Formaten auf, um die gesellschaftliche Inklusion von Menschen mit Behinderungen zu fördern, aufzuklären und gegenseitiges Verständnis zu wecken.

Der Monitoringbericht zeigt, dass auch bei kleineren Programmanbietern der Ausbau voranschreitet. 2012 hatte die Gesamtkonferenz der Medienanstalten die beiden reichweitenstärksten privaten Sendergruppen aufgefordert, mindestens eine Sendung pro Abend in einem Sender mit Untertitelung anzubieten und 2013 ihr jährliches Monitoring gestartet. Seit 2016 werden zudem kleinere Privatsender ab einem Marktanteil von 1 Prozent in die Erhebung einbezogen. Mit dem neunten Monitoringbericht wurden 2021 erstmals auch die Streaminganbieter Amazon Prime, Netflix und Sky in das Monitoring integriert.

Die Gesamtkonferenz der Medienanstalten hat vor dem Hintergrund des 2. Medienänderungsstaatsvertrags beschlossen, das nächste Monitoring auf alle in Deutschland zugelassene Anbieter auszuweiten und weist auf die bevorstehende gesetzliche Berichtspflicht für bundesweite TV-Sender ab 2023 hin.

Ansprechpartner

Tim Steinhauer

Senior Referent Medienverantwortung und Programm