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Position des Fachbereichsvorstandes Hörfunk im VPRT Perspektiven und Anforderungen des Radios zur Digitalisierung der Übertragungswege (14. Juli 2006)

04.06.2007

1. Radio wird nicht auf „einen“ digitalen Verbreitungsweg beschränkt
    Radio muss u. a. über DMB und DVB-H angeboten werden

Alle verfügbaren neuen digitalen Übertragungswege werden auch für Radio (auch ergänzt um Mehrwertdienste; z.B. visuelle Streams) genutzt. Es geschieht keine Festlegung auf „den“ digitalen Radioweg. Geeignete terrestrische Übertragungsstandards der Zukunft scheinen kurzfristig DMB und mittelfristig DVB-H zu sein. Das klassische DAB wird entweder modernisiert und sinnvoll in die neuen Standards integriert oder abgeschaltet. Letztlich entscheidet der Hörer über die Akzeptanz der Wege und Angebote.

2. Endgeräte können alle Digital-Standards inkl.  UKW

Die Endgerätehersteller werden aufgefordert, alle gängigen Standards (UKW, DMB und DVB-H) in ihre Geräte zu integrieren.

3. Radio-Frequenzen bleiben knapp – Masterplan muss erarbeitet werden

Auch die neuen digitalen Übertragungswege werden für Radio nicht in beliebiger Anzahl zur Verfügung stehen. Insbesondere der terrestrische Radiomarkt wird von Engpässen bei den Übertragungskapazitäten gekennzeichnet sein und bleibt vorerst reguliert. Die Versteigerung von und der Handel mit Rundfunkfrequenzen wird abgelehnt. Die Meinungs-, Angebots- und Anbietervielfalt ist sicherzustellen. Die rundfunk-politisch zuständigen Länder werden aufgefordert, ordnungspolitisch einen „Masterplan Radio“ zu entwickeln, der die Bestands- und Entwicklungschancen des Radios in der digitalen Terrestrik absichert. Zu dieser Diskussion will der VPRT-Hörfunk deutlich und konstruktiv beitragen. Wesentliche Anforderungen an den Masterplan sind der Erhalt der derzeitigen hörernahen Angebote, die Einräumung von Entwicklungschancen für die bisherigen Sender sowie die Chance, neue auch nationale Radioangebote zu konzipieren und umzusetzen.

4. Auch im Digitalen ‚Nähe’ des Radios zum Hörer umsetzen 
    Kurzfristig mehr Kapazitäten für DMB schaffen

Um dem Hörer die gewohnte und medienpolitisch gewollte Vielfalt der Angebote zu erhalten, werden die jetzigen UKW-Verbreitungsgebiete (privat und öffentlich-rechtliche) bei den Frequenzplanungen in die digitalen Übertragungswege umgesetzt. Dabei werden auch die Regionalisierung und der Overspill berücksichtigt. Dies gilt für DMB und DVB-H, da beide Techniken zunächst zeitlich und regional unterschiedlich (Fläche /Ballungsraum) verfügbar sein werden. Mittel- und langfristig ist - unter der Voraussetzung, dass alle Endgeräte multinormtauglich sind – ein wirtschaftlich und frequenzökonomisch integriertes Konzept anzustreben, bei dem sich die beiden Übertragungswege/-standards sinnvoll ergänzen.

Um den gravierenden aktuellen Kapazitätsengpass bei DMB zu lindern, fordert der private Hörfunk im VPRT kurzfristig die Umwandlung eines weiteren DVB-T-Multiplexes zur Nutzung durch DMB, damit hier weitere Radioprogramme übertragen werden können.

Für alle digitalen Kapazitäten muss gelten, dass sie erst ausgeschrieben werden dürfen, wenn der Betrieb mit den endgültigen Sende-Leistungen möglich ist.

5. Keine Kanal-Verstopfung durch die ARD

Eine Verbreitung aller öffentlich-rechtlichen Radioangebote überall (TV-Prinzip) würde aufgrund der knappen Übertragungsressourcen den Markt „verstopfen“ und die Digitalisierung und Entwicklung des privaten Angebotes blockieren. Die privaten Radioanbieter haben hohen Nachholbedarf bei der Zuweisung und Nutzung von terrestrischen Übertragungskapazitäten.

6. Multiplex-/Plattform-Betreiber sind vornehmlich technische Dienstleister -
    Neue Gatekeeper verhindern / Veranstalter erhalten Lizenz und Kapazität

Multiplexbetreiber / Plattformbetreiber sind für das Radio in erster Linie technische Dienstleister. Es ist zu verhindern, dass Plattformbetreiber zu „Gatekeepern“ bei der Belegung der knappen verfügbaren Frequenzen mit Programmen und Angeboten werden. Um den freien Zugang der Radioanbieter zu den Netzen zu sichern, müssen die Hörfunk-Sender von den Landesmedienanstalten Lizenz und Übertragungskapazität erhalten. Der vorrangige Zugang der lizenzierten Radioveranstalter zu digitalen Rundfunkfrequenzen und der diskriminierungsfreie Zugang zu Plattformen ist sicherzustellen. Die Radioangebote müssen über die Navigatoren/EPG’s diskriminierungsfrei und umfassend dargestellt werden.

Radiounternehmen müssen die Wahl haben, ihre Angebote direkt über den Sendernetzbetreiber und ohne einen Plattformbetreiber verbreiten zu können oder aber aus freien Stücken mit Plattformbetreibern zu kooperieren. Werden Frequenzen pauschal gewinnorientierten Plattformbetreibern zugeordnet, wird der Rundfunk zum reinen Wirtschaftsgut, wird die Rundfunkhoheit der Länder obsolet und werden die Landesmedienanstalten überflüssig. Die Radioanbieter erwarten ordnungspolitischen Schutz zur Vermeidung von Wettbewerbsverzerrungen durch neue finanzstarke neue Player (Telcos etc.). Die Länder werden aufgefordert, sich umgehend um entsprechende Vorgaben bei der Ausschreibung und Zuweisung der Frequenzen und für den Betrieb der Multiplexer und Sender zu bemühen.

7. Adressierbarkeit / Verschlüsselung

Radio wird auf absehbare Zeit überwiegend ein „Free-Radio“ sein, daneben werden sich auch neue Geschäftsmodelle, z. B.einige Pay-Angebote entwickeln. Bei der Übertragung auf den neuen digitalen Wegen hat auch das Free-Radio Interesse, die so genannte „Adressierbarkeit“ der Endgeräte zu nutzen, um künftig seine Hörer zu kennen. Auf der Grundlage der Adressierung können aufsetzend auch neue Angebotsformen und Pay-Angebote abgewickelt werden.

Berlin, Juli 2006

Ansprechpartner

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Daniela Beaujean

Geschäftsführerin

René Böhnke

Senior Referent Medientechnologie & IT