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„Ich höre was, was Du nicht hörst“: Studie der Medienanstalt NRW zu Vielfalt und Transparenz bei Sprachassistenten

09.12.2021

Google Assistant, Amazon Alexa oder Apple Siri: Viele Menschen nutzen Sprachassistenten, um Radio zu hören oder Nachrichten abzurufen. Die Studie „Ich höre was, was Du nicht hörst“ im Auftrag der Medienanstalt Nordrhein-Westfalen (NRW) untersuchte im Zeitraum von Februar bis Mai 2021, wie vielfältig das Nachrichtenangebot bei Sprachassistenten ist und welche Nachrichten Nutzende zur Verfügung gestellt bekommen, wenn sie ihren Sprachassistenten danach fragen. Im Fokus standen Aspekte der Medienvielfalt und Transparenz.

Die Ergebnisse zeigen, wie stark sich der auditive Flaschenhals bei Sprachassistenten um die Prozesse der Inhaltsauswahl schließt. Denn klar ist: Vorlesen benötigt mehr Zeit als Lesen – folglich können weniger Inhalte in gleicher Zeit präsentiert werden. Insbesondere über die Nutzung der Standard-Einstellungen wird oft nur eine geringe Auswahl an Medienangeboten präsentiert, wobei regionale wie auch lokale Medienunternehmen nicht vertreten sind. Darüber hinaus sind die Auswahlkriterien, welche Medienangebote z. B. bei der Abfrage von Nachrichten vorgestellt werden, wenig transparent, sodass auch für Medienunternehmen unklar ist, wie ihr Angebot in die Standardauswahl gelangen kann.

Regulierung des Marktzugangs

Möchte ein Medienunternehmen eine eigene App mit Inhalten bei den Sprachassistenten zur Verfügung stellen, um die eigene Sichtbarkeit zu erhöhen, stößt es auf zwei Hürden. Zum einen werden zwar Vorlagen und Hilfestellungen von den Sprachassistent-Anbietern gestellt, allerdings behalten sie sich auch in letzter Instanz die Kontrolle über die erstellten Apps vor und entscheiden damit maßgeblich über den Marktzutritt. Zum anderen sind die Anforderungen an die Apps bei Google, Amazon und Apple unterschiedlich. Im Sinne der Interoperabilität wäre eine Vereinheitlichung der technischen Ansprüche nötig, besonders um einen ressourcenschonenderen Zutritt für Medienunternehmen zu ermöglichen.

Keine Richtlinien für Priorisierung

Welche Inhalte vom Sprachassistenten am Ende den Nutzer:innen präsentiert werden, darüber gibt es keine fundierten Richtlinien. Der Studie zufolge, werden z. B. bei Amazon Alexa einige Inhaltsangebote als „Nachrichten“ eingeordnet, die keine journalistisch-redaktionell erarbeiteten Nachrichten enthalten. Einer der drei Anbieter habe sogar angegeben, seine Informationen u. a. aus Quellen zu beziehen, die bekannt für die Verbreitung von politischer Propaganda oder Desinformationen seien.

Wirtschaftliche Interessen der Systemanbieter spielen eine Rolle

Dabei ist die Positionierung des eigenen Beitrags von höchster Priorität, denn die Standard-Einstellungen der Sprachassistenten stellen nur eine kleine Auswahl an Medienangeboten zur Verfügung. Bei Google Assistant handelt es sich um drei Beiträge, bei Apple Siri gerade einmal um einen Beitrag, der auf eine Suchanfrage hin ausgespielt wird. Bei Amazon Alexa werden Inhalte nicht nach dem Reihenfolgemodell geordnet, sondern nach nur einem Anbieter ausgewählt, den die Nutzer:innen zu Beginn aus vier Optionen ausgewählt haben. Aufgefallen ist im Testzeitraum außerdem, dass im Angebot der Sprachassistenten-Apps kleinere Medienunternehmen untervertreten und die Suchergebnisse der Sprachassistenten nicht kohärent, sondern vom Systemanbieter abhängig waren. Die Studie konstatiert, dass damit die Medienvielfalt beeinträchtigt werde und Grund zur Annahme bestehe, dass die Priorisierung der ausgegebenen Inhalte den wirtschaftlichen Interessen der Systemanbieter folge.

Probleme bei der korrekten Ausgabe des Urheberrechts

Der Studie zufolge sind zudem bei Amazon Alexa wie auch Google Assistant nicht für alle Apps verlässliche Angaben zu den Urheber:innen vorhanden. Häufig sind die Entwickler:innen der App als Urheber:innen angegeben, aber nicht die Verantwortlichen für die Produktion der Inhalte. Ein Impressum mit klarer und transparenter Trennung von Verantwortlichen für die Inhalte und die technische Umsetzung ist nicht bei allen Apps vorhanden.

VAUNET-Engagement zu Sprachassistenten

Der VAUNET bietet seinen Mitgliedern mit dem Arbeitskreis 'Online Audio' eine Plattform zum Austausch von Thematiken, wie diese Studie sie aufgreift. Diensteanbieter von Sprachassistenten und private Medien stehen auf diese Weise beim VAUNET im regelmäßigen Dialog, um die Entwicklungen in beiden Branchen zu einem gemeinsamen Fortschritt voranzutreiben. Neben der Herausforderung für Zugang und Auffindbarkeit werden auch Monitoring und Datenhandling bei Sprachassistenten besprochen.

Ansprechpartner

René Böhnke

Senior Referent Medientechnologie & IT