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Deutscher Werberat: Geschlechterdiskriminierende Werbung bleibt 2019 Beschwerdeschwerpunkt

02.04.2020

Im Jahr 2019 überprüfte der Deutsche Werberat 793 Werbemaßnahmen, zu denen aus der Bevölkerung 3.636 einzelne Beschwerden vorlagen. In den eingeleiteten Verfahren folgten rund 91 Prozent aller Unternehmen dem Votum des Gremiums und stoppten oder änderten ihre Werbung, wenn der Werberat sie beanstandet hatte. Die Menschen wandten sich mit unterschiedlichen Anliegen an den Werberat in Berlin. Sie sahen Kinder durch einzelne Werbemaßnahmen in ihrer Entwicklung beeinträchtigt, protestierten gegen sexistische Werbung, empfanden allgemeine Grundwerte von Anstand und Moral verletzt oder kritisierten Werbung als gewaltverherrlichend oder rassistisch. Von den insgesamt 793 geprüften Fällen fielen 279 Fälle nicht in die Zuständigkeit der Selbstkontrolleinrichtung, etwa weil es sich nicht um Wirtschaftswerbung, sondern um Werbung von Behörden oder Parteien handelte, die Produkte an sich kritisiert oder Verstöße gegen gesetzliche Werbeverbote geltend gemacht wurden.

Der Werberat entschied über 514 einzelne Werbesujets, ein Zuwachs von 11 Prozent gegenüber dem Vorjahr. In 141 Fällen teilte der Werberat die Kritik der Beschwerdeführer und informierte die betreffenden Unternehmen über den Verstoß gegen den Werbekodex. Insgesamt wurde jede vierte Werbekampagne, über die sich Bürger bei der Selbstkontrolleinrichtung beschwert hatten, von den betroffenen Unternehmen zurückgezogen oder geändert (128 Fälle). Von Kritik freigesprochen wurden 373 Werbemotive: Es lag kein Verstoß gegen den Werbekodex vor. Nur in wenigen Fällen reagierten die Unternehmen nicht unmittelbar auf die Beanstandung und erhielten deshalb eine Öffentliche Rüge (2019: 13). Die Werbung eines Unternehmens wurde nachträglich beanstandet. Es hatte die Werbung aufgrund urheberrechtlicher Schwierigkeiten gelöscht, aber keine Einsicht gezeigt.

Geschlechterdiskriminierende Werbung, also sexistische Werbung, Frauen- und/oder Männerdiskriminierung, steht nach wie vor an der Spitze der Gründe, warum sich die Bevölkerung mit Protesten an den Werberat wendet. Hier ging die Anzahl der Beschwerdefälle nochmals minimal zurück, von 261 Fällen im Jahr 2018 auf 259 im Jahr 2019.

An zweiter Stelle der Beschwerdegründe standen Verstöße gegen ethische und moralische Mindestanforderungen (70 Fälle), die der Werberat anhand seiner Grundregeln zur kommerziellen Kommunikation beurteilt. Der Deutsche Werberat begründet den recht hohe Anteil in dem breiten Spektrum an Beschwerdeinhalten, die in dieser Rubrik zusammengefasst werden.

Werberat Beschwerdebilanz 2019

Ansprechpartner

Frank Giersberg

Geschäftsführer